Wie findet man für kreative Unternehmer Nachfolger? Dieser Frage geht das Magazin brand eins in der aktuellen Ausgabe (September 2010) nach. Dazu hat das Magazin Ideeologen-Geschäftsführer Jens-Uwe Meyer interviewt. Auszüge aus dem Interview:
brand eins: Was müssten die Manager lernen?
Jens-Uwe Meyer: Führungskräfte haben heute schreckliche Angst, Fehler zu machen oder Verantwortung für eine Idee zu übernehmen, mit der sie scheitern könnten. Deshalb setzen sie Prozesse auf, planen, vereinbaren Teilziele und setzen viele Menschen beim Mailen auf CC, damit jeder Schritt im Notfall nachvollziehbar ist und sie abgesichert sind.
Das ist verständlich. Gleichzeitig ist genau das ein Problem. Denn Fehler sind nicht gleich Fehler: Während Fehler im operativen Bereich tatsächlich meist überflüssig sind, sind Fehler für innovative Prozesse eine Voraussetzung. Kreativität kann nur dort entstehen, wo Menschen Dinge ausprobieren können, auch auf die Gefahr hin, dass sie nicht funktionieren.
Deswegen müssen Manager zum einen lernen, zwischen operativen Fehlern im Alltagsgeschäft und experimentellen Fehlern im Innovationsprozess zu unterscheiden. Zum anderen müssen sie selber die Angst vor dem Scheitern verlieren. Dies gelingt nur, wenn sie das Scheitern üben. Dazu muss es gefördert werden. Führungskräften muss gesagt werden: „Löse eine Aufgabe mit unterschiedlichen Konzepten, fahre sie vor die Wand und sage anschließend, was du dabei gelernt hast.“
Suche ich eine neue Führungskraft für mein Unternehmen und möchte ich, dass diese Person meine innovative Kultur weiter führt, muss ich herausfinden, wie sie zum Thema Fehler steht.
brand eins: Ein Ergebnis Ihrer Corporate Creativity Studie war, dass man bestimmte Faktoren bei innovativen Unternehmen immer wieder findet, gleichzeitig aber die DNA der Unternehmen sehr spezifisch ist: Bei Apple wird eine kreative Kultur anders gelebt als bei Virgin, Nokia oder Google. Kann die Weitergabe einer Innovationskultur überhaupt mit einer Führungskraft gelingen, die von Außen zum Unternehmen stößt?
Jens-Uwe Meyer: Je spezifischer die Kultur und je wichtiger das Thema Innovationen für ein Unternehmen ist, umso sinnvoller ist es, auf Managernachwuchs aus den eigenen Reihen zu setzen. Allerdings ist auch das kein Garant, dass eine Innovationskultur auf gleichem Niveau bestehen bleiben kann. An der Spitze vieler innovativer Unternehmen stehen heute noch immer die Gründer, die gleichzeitig auch noch die Hauptanteilseigner sind. In dieser privilegierten Position befinden sich deren Nachfolger in aller Regel nicht. Sie stehen in viel mehr Abhängigkeiten und müssen sich gegenüber viel mehr Parteien, allen voran den Aktionären, verantworten.
Wie ernst es den Eigentümern und auch der Geschäftsleitung mit dem Thema Kreativität ist, zeigt sich deshalb in der Praxis. Erst wenn vom zehn Millionen Euro-Kreativbudget die ersten vier Millionen ausgegeben sind, ohne dass es konkrete Ergebnisse gibt und erst, wenn dann die Mitarbeiter auch noch die anderen sechs Millionen verwenden dürfen, ist das ein sehr guter Hinweis: Die kreative Kultur im Unternehmen wird tatsächlich gelebt und hat das Zeug, zu überdauern.
Das vollständige Interview finden Sie in der Ausgabe 9/2010 von brand eins.